Cold Case: Die Hinrichtung der Autohändler Viktor Vidovic und Gerhard Marx (1990)
[1] Bild:Medien
▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬
Am späten Nachmittag des 3. Dezember 1990 ereignete sich im Münchner Stadtteil Lerchenau / Milbertshofen ein kaltblütiges Verbrechen. Die beiden Gebrauchtwagenhändler Viktor Vidovic (43) und sein Angestellter sowie enger Freund Gerhard Marx (47) wurden in ihrem hölzernen Bürobau auf dem Verkaufsgelände von „Auto Vito“ an der Moosacher Straße überrascht. Der Täter fackelte nicht lange: Er richtete beide Männer mit gezielten Kopfschüssen regelrecht hin. Die Opfer wurden so schnell überrascht, dass Vidovics Zigarette noch im Aschenbecher qualmte und neben Marx ein angebissenes Butterbrot lag.
▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬
- [] Das „Geschäft seines Lebens“: Viktor Vidovic, der eigentlich plante, bald in seine Heimat nach Bosnien zurückzukehren, wirkte kurz vor der Tat auffallend nervös und ängstlich. Er hatte Freunden gegenüber angekündigt, am Tattag das ganz große Geschäft machen zu wollen.
[] Die Beute: Der Mörder entwendete eine beträchtliche Summe Bargeld – schätzungsweise rund 100.000 Deutsche Mark – sowie die wertvolle Rolex-Armbanduhr von Viktor Vidovic.
[] Keine Chance zur Gegenwehr: Obwohl Gerhard Marx als wehrhaft galt und stets ein Kampfmesser griffbereit bei sich trug, konnte er dieses nicht mehr erreichen. Er wurde von zwei Schüssen direkt oberhalb der Nasenwurzel getroffen.
[] Eine extrem seltene Tatwaffe: Ballistiker fanden heraus, dass der Täter eine alte, historische französische Militärpistole benutzte, für die es längst keine Munition mehr gab. Die Patronen stammten von einer „Smith & Wesson“, wurden jedoch vom Täter eigenhändig gekürzt, um in die Waffe zu passen.
▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬▬
Die Münchner Kriminalpolizei biss sich an dem Fall über Jahrzehnte die Zähne aus und suchte im Milieu von Szenelokalen und im Autohandel nach Spuren:
- [] Späte Großfahndung im Fernsehen: Genau 22 Jahre nach dem Verbrechen, im Dezember 2012, rollte die Münchner Kripo den Fall im Rahmen der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY... ungelöst noch einmal umfassend auf, um Zeugen aus der damaligen Zeit zu erreichen.
[] Kein Gerichtsurteil: Trotz der akribischen Untersuchung der manipulierten Projektile und Befragungen im In- und Ausland konnte nie ein dringender Tatverdächtiger ermittelt werden. Es kam nie zu einer Anklage, weshalb der Doppelmord bis heute ein unaufgeklärter Cold Case ist.
https://www.abendzeitung-muenchen.de/mu ... art-181811