Das spurlose Verschwinden der 29-jährigen zweifachen Mutter Kevser Kurt im Spätsommer 1992 in Berlin-Schöneberg blieb anderthalb Jahrzehnte lang ein ungelöstes Rätsel. Erst der spektakuläre und makabre Zufallsfund ihrer sterblichen Überreste inmitten der Berliner Innenstadt brachte traurige Gewissheit über ein Verbrechen. In der Öffentlichkeit wird die Tat aufgrund der familiären Hintergründe oft im Bereich der Spekulation um einen sogenannten „Ehrenmord“ verortet, bewiesen werden konnte dies juristisch jedoch nie.
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Das Datum: Am 9. August 1992 verschwand Kevser Kurt unbemerkt aus der gemeinsamen Drei-Zimmer-Wohnung der Familie am Grazer Damm im Berliner Stadtteil Schöneberg.
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Die Aussage des Ehemanns: Ihr damals 33-jähriger Ehemann Riza meldete die junge Türkin kurz darauf bei der Polizei als vermisst. Er gab an, seine Frau habe am Abend die Wohnung verlassen, um Zigaretten zu holen, und sei danach einfach nicht mehr zurückgekehrt.
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Erfolglose Suche: Die Mordkommission nahm zwar Ermittlungen auf und leuchtete das Umfeld ab, stand jedoch vor einer Mauer des Schweigens. Da weder Zeugen noch eine Leiche gefunden wurden, stellte die Polizei die aktiven Ermittlungen nach einiger Zeit ein.
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Fundort im Volkspark: Fast 14 Jahre nach dem Verschwinden, im Mai 2006, machten Gärtner im Monbijoupark im Berliner Bezirk Mitte eine schreckliche Entdeckung. Bei Rodungsarbeiten im dichten, unwegsamen Unterholz stießen sie auf eine vollständig skelettierte und mumifizierte Frauenleiche.
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Späte Identifizierung: Gerichtsmedizinern und Kriminaltechnikern gelang im März 2007 mittels aufwendiger anthropologischer Untersuchungen und dem Abgleich von Zahnakten der zweifelsfreie Nachweis, dass es sich bei der Toten um die seit 1992 vermisste Kevser Kurt handelte.
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Todesursache: Trotz der extrem fortgeschrittenen Verwesung konnten die Rechtsmediziner Spuren massiver, unnatürlicher „Gewalt gegen den Hals“ feststellen. Die junge Frau war erwürgt oder erdrosselt worden.
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Spekulation „Ehrenmord“: Nach der Identifizierung rollte die Mordkommission den Fall als Cold Case komplett neu auf. Recherchen ergaben, dass Kevser Kurt, die bereits im Alter von 14 Jahren verheiratet worden war, vor ihrem Verschwinden mit den beiden Kindern zeitweise in ein Frauenhaus geflüchtet war. Aus Sorge um ihre Kinder kehrte sie jedoch wieder in die Ehe zurück.
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Vernehmlassungen ohne Festnahme: Im März 2007 wurde der Ehemann Riza Kurt von der Berliner Polizei erneut stundenlang intensiv verhört. Er bestritt jegliche Tatbeteiligung.
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Keine Sachbeweise: Da die Leiche über ein Jahrzehnt lang schutzlos der Witterung ausgesetzt war, ließen sich keinerlei brauchbare biologische Spuren oder Täter-DNA sichern. Weil sich kein dringender Tatverdacht erhärten ließ und eindeutige Sachbeweise fehlten, kam es bis heute zu keinem Gerichtsprozess oder einer Verurteilung.
Link:
https://www.welt.de/regionales/berlin/a ... ziert.html
https://www.morgenpost.de/printarchiv/b ... -Kurt.html